
Comdirect startet eine neue Werbeaktion für Online-Girokonten. Die Aussage: „Das Girokonto mit Zufriedenheitsgarantie“.
Zufrieden, und das auch noch garantiert? Wunderbar! Wie möchte man aber die Zufriedenheit garantieren? Dies geschieht über ein monetäres System. 50 Euro soll es geben, wenn einem das neueröffnete Konto gefällt, 100 Euro, wenn es einem nicht gefällt.
Wieso bin ich also garantiert zufrieden? Na ja, im ersten Fall habe ich sogar doppelte Zufriedenheit: das Konto gefällt mir und darüber hinaus gibt es noch 50 Euro. Im zweiten Fall wird die Zufriedenheit über die 100 Euro wieder hergestellt.
Ein näherer Blick auf das System.
50 Euro, wenn:
- Neues Konto eröffnet
- In den ersten 3 Monaten mindestens 5 Transaktionen mit je mindestens 25 €
- Im 4. Monat werden 50 € gut geschrieben
100 Euro, wenn:
- Neueröffnung
- Kündigung frühestens 12 Monate, spätestens 15 Monate nach Eröffnung
- Gründe für Unzufriedenheit nennen
- Erhalt der 50 € nach obigen Kriterien
- Ab dem 4. Monat nach Eröffnung mind. 5 Transaktionen pro Monat je über mind. 25 €
- Nach Erfüllung der obigen Kriterien Gutschrift weiterer 50 € vor Schließung des Kontos
Ich bin selbst seit einigen Jahren zufriedener Comdirect-Kunde, doch die genannten Kriterien sind nicht ohne. Da stellen sich ein paar Fragen – bis zum frühesten Kündigungstermin müssen insgesamt 50 Transaktionen gemacht und ein Gesamttransaktionsvolumen von mindestens 1.250 Euro bewegt werden?
Auch ein Weg, das Involvement des Kunden zu steigern… Und wird letztendlich nicht der falsche Kunde „beschenkt“? Ökonomisch ist der Auszahlungsbetrag für die Bank sicherlich in dieser Reihenfolge geringer (auch mit Blick auf die Kriterien), als wenn es hieße: 100 € wenn Sie uns mögen, 50 € wenn nicht. (Das Angebot der Zufriedenheitsgarantie von Comdirect selbst testen)
On- und Offline sind Zufriedenheitsgarantien sicherlich ein cleverer Weg, neue Kunden zu finden. Kundengewinnung & Kundenbindung – dies funktioniert am besten, wenn die ausgesprochene Garantie wenige oder am besten gar keine Schlupflöcher hat. Bei Produkten, deren Qualität vor dem Kauf nur schwer zu beurteilen ist (sogenannte Erfahrungseigenschaften, experience qualitites), baut eine “garantierte Zufriedenheit” Hemmschwellen ab.

Kano-Modell
Als langjähriger Kunde bin ich mir sicher, dass im Allgemeinen bei den Comdirect Girokonten die Basisanforderungen (Muss-Funktionalität) gegeben sind – dies ist laut Kano-Modell (links) die notwendige Bedingung für zumindest indifferente Kundenzufriedenheit.
Zusätzliche Leistungsmerkmale sind meiner Meinung nach ebenfalls gegeben, das Interface ist schlank und verständlich, bedienungsfreundlich & übersichtlich. Die Sollfunktionalität ist demnach erfüllt.
Nun kommt es, gerade in gesättigten Märkten und bei austauschbaren Produkten, auf die Begeisterungsanforderungen an. Wie schafft es ein Produkt, sich abzugrenzen und einen Zusatznutzen für den Konsumenten zu erreichen? Die Comdirect-Zufriedenheitsgarantie setzt hier an. Diese zeitlich begrenzte Aktion erfüllt eine Kann-Funktionalität (ich erhalte für meine Kontoeröffnung mindestens 50 €, maximal 100 €), erhöht die Kundenzufriedenheit und schafft einen echten USP.
Weitere Reaktionen: Röthlingshöfer.
Kano-Modell: Seibert-Media-Blog, Wikipedia, Catalysts, GoldwynReports.com.
Zufriedenheitsgarantien sind auch bei Anbietern mit bereits guter und sehr guter Reputation wirkungsvoll: empirische Untersuchung von Matthias Vieth. Von Peter Sawtschenko, “Positionierung- das erfolgreichste Marketing auf unserem Planeten”: “Eine Zufriedenheitsgarantie zu bieten, setzt voraus, dass Sie sich vorher eingehend mit den emotionalen Hemmschwellen Ihrer Kunden befasst haben. Sie müssen Ihre Zielgruppe gut kennen, um mit Ihrer Garantie <ins Schwarze> zu treffen und die erwünschte Wirkung zu erzielen – nämlich den Kauf risikolos und reibungsloser zu gestalten.”
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