Ok, die Deutsche Bahn war unter Mehdorn kein Inbegriff für transparentes Management. Doch was der Kölner Verein LobbyControl nun berichtet, setzt neue Maßstäbe was den Missbrauch von Online-Medien im Sinne der Corporate Communications angeht.
Im großen Maßstab wurden Foren, Blog-Beiträge, vorproduzierte Medienbeiträge und Leserbriefe manipuliert, ohne dass der wahre Urheber oder Auftraggeber genannt wurde. Kurzfristig sicherlich aus der operationellen Sicht keine schlechte Idee. So veröffentlichte die Denkfabrik berlinpolis e.V. zur Zeit der Streiks mehrere Umfragen (die Deutschen ständen mehrheitlich hinter der Privatisierung, etc.). Medien übernehmen die Kernaussage der Umfragen, der Inhalt verbreitet sich weiter.
Auf kurze Sicht konnte die Diskussion sicherlich beeinflusst werden, auch die Online-Meinungsmache ist hier ein subversives und wirkungsvolles Element. Doch Unternehmen sind schlecht beraten, sich hinter irgendwelchen Nicknames zu verstecken. Der Schaden, der durch das Aufdecken solcher Maßnahmen entsteht, ist nahezu irreparabel. Als Reaktion gibt es hier eine Pressemitteilung und dort wird der Generalbevollmächtigte für Kommunikation und Marketing entlassen. Das Image jedoch nimmt mit jedem neuen Skandal mehr Schaden. Die Menschen lesen die News vielleicht unaufgeregt, doch die wiederholten negativen Schlagzeilen führen durch einen Lerneffekt dazu, dass die eigene Einstellung zur Bahn negativ beeinflusst wird.
Die Denkfabrik berlinpolis wurde von der Lobby-Agentur „European Public Policy Advisers GmbH“ (EPPA) beauftragt, die wiederum von der Deutschen Bahn einen 1,3 Mio. Euro schweren Auftrag erhalten hatte. Eine weitere Maßnahme war die Webseite Meinebahndeinebahn.de – vordergründig als Bürgerinitiative pro Bahnprivatisierung getarnt. “Hier wurde offensichtlich versucht, die Öffentlichkeit und die politische Debatte dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Bahn in die öffentliche Debatte eingriffen”, sagte LobbyControl-Vorstand Ulrich Müller.
Ein wenig erinnert dies an die Manipulationsversuche von Unternehmen auf Wikipedia. Ob auf den Wiki-Seiten über die Bahn auch Änderungsversuche von DB-Rechnern zu finden sind?
Weitere Reaktionen über den PR-Skandal der Bahn:
freshzeinull.de
brainwash
titanic
turi2.de


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